Mehr als 20 Trainer:innen des TSV Solln haben erfolgreich den Kurs Kindertrainerzertifikat absolviert. Der Kurs kombinierte Theorie und Praxis, welche an den beiden Präsenztagen am 20. und 26.09.26 vermittelt wurde.

Anbei der Erfahrungsbericht eines Teilnehmers:

Mehr als nur Training: Was ich aus dem Kindertrainerzertifikat mitgenommen habe

Kinder trainieren bedeutet mehr, als Übungen aufzubauen und am Spieltag dafür zu sorgen, dass alle da sind. Mein Kindertrainerzertifikat hat meinen Blick auf das Training, die Kinder und auch die Eltern nachhaltig verändert.

Vom 09.09.2026 bis zum 05.10.2026 habe ich am Kindertrainerzertifikat des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) teilgenommen. Der Kurs bestand aus mehreren Online- und Präsenzphasen und kombinierte theoretische Inhalte mit praktischen Einheiten auf dem Fußballplatz.

Die Präsenzphasen wurden von Sina Mahler geleitet und fanden auf der Anlage des TSV München Solln e.V. statt. Frau Mahler ist Cheftrainerin der zweiten Damenmannschaft des TSV 1860 München.

Warum ich mich für das Kindertrainerzertifikat entschieden habe

Ich habe mich für das Kindertrainerzertifikat entschieden, weil ich die Arbeit mit Kindern im Fußball – insbesondere im Bereich der Bambinis sowie der F- und E-Jugend – besser verstehen wollte. Mein Ziel war es, Trainings und Spiele besser organisieren und leiten zu können.

Meine damalige Vorstellung vom Trainersein war allerdings ziemlich einfach: Am Spieltag schauen, dass alle Spieler da sind, dass die Trikots dabei sind und jedes Kind zum Einsatz kommt. Im Training die Übungen organisieren und dafür sorgen, dass die Kinder beschäftigt sind.

Heute weiß ich: Kindertraining ist wesentlich mehr.

Lernen, ausprobieren und selbst erleben

Der BFV-Kurs war in mehrere Online- und Präsenzphasen aufgeteilt.
In der ersten Online-Phase, die sich über eine Woche von Montag bis Samstag erstreckte, beschäftigten wir uns unter anderem mit den neuen Spielformen im Kinderfußball sowie mit dem Umgang mit Kindern und Eltern – auch in schwierigen Situationen.
Anschließend ging es in die Praxis. Bei dem ersten Präsenztag wurden die Inhalte der Online-Phase noch einmal gemeinsam besprochen und vertieft. Danach ging es auf den Fußballplatz.

Dort konnten wir die neuen Spielformen 3 gegen 3, 4 gegen 4 und 5 gegen 5 selbst ausprobieren.

Dabei wurde schnell deutlich, dass man eine Spielform ganz anders versteht, wenn man sie nicht nur erklärt bekommt, sondern selbst erlebt.

In einer weiteren Online-Phase kamen Themen wie Aufsichtspflicht, Jugendschutz, Spielformen und Trainingseinheiten hinzu. Außerdem beschäftigten wir uns mit der Spielphilosophie und damit, dass sich diese vom Kinder- bis zum Erwachsenenfußball grundsätzlich nicht verändert, sondern lediglich an das jeweilige Alter und den Entwicklungsstand angepasst wird.

Ein weiterer Präsenztag verband anschließend wieder Theorie und Praxis. Die Spielformen wurden erneut ausprobiert, erweitert und verfeinert.
Die größte Überraschung: Die Eltern
Eine meiner größten Erkenntnisse aus dem Kurs war allerdings nicht auf dem Fußballplatz zu finden.

Mich hat überrascht, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Eltern ist.
Eltern können einem Trainer das Leben durchaus schwer machen – etwa wenn sie während des Spiels ständig versuchen, ihr eigenes Kind zu coachen, ihm Anweisungen zurufen oder es mit anderen Kindern vergleichen.

Sie können die Arbeit des Trainers aber genauso gut erleichtern.
Wenn Aufgaben und Regeln klar kommuniziert werden, können Eltern sinnvoll in den Trainings- und Spielbetrieb eingebunden werden. Ein einfaches Beispiel: Ein Elternteil kann bei einer Übung an der Seitenlinie stehen und darauf achten, dass die Kinder sich sicher verhalten und keinen Unsinn machen.

Auch scheinbare Kleinigkeiten sind wichtig: Wer nimmt die Trikots mit? Wer fährt wann zum Spiel? Wer nimmt welches Kind mit? Wann gibt es einen Elternabend? Welche Regeln gelten für die Mannschaft?

Dinge, die ich vor dem Kurs überhaupt nicht als wesentlichen Teil der Trainerarbeit wahrgenommen hatte.

Heute weiß ich: Eine gute Mannschaftsorganisation und eine klare Kommunikation mit den Eltern sind genauso wichtig wie eine gute Trainingseinheit.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Besonders verändert hat sich auch mein Blick auf die Kinder selbst.
Ein Kind, das beim Training schlecht gelaunt ist oder sich anders verhält als sonst, hat vielleicht nicht einfach nur „keine Lust“. Dahinter können Probleme in der Schule, Schwierigkeiten zu Hause oder andere Dinge stecken, die das Kind beschäftigen.
Das bedeutet nicht, dass ein Trainer jedes Problem lösen muss. Aber er sollte aufmerksam sein und versuchen zu verstehen, warum sich ein Kind gerade so verhält.
Diese Erkenntnis hat mich sensibler dafür gemacht, die Kinder nicht vorschnell zu beurteilen.

Mehr Ballkontakte statt Warten

Auch meine Trainingsgestaltung hat sich durch den Kurs verändert.
Ein besonders wichtiger Punkt sind für mich heute Ballkontakte und Netto-Spielzeit.
Wenn man mit einer größeren Gruppe einfach 6 gegen 6 oder 7 gegen 7 spielt, kann es schnell passieren, dass einzelne Kinder nur wenige Ballkontakte bekommen. Während einige ständig am Spiel beteiligt sind, warten andere lange darauf, überhaupt an den Ball zu kommen.

Kleinere Spielformen wie 2 gegen 2 oder 3 gegen 3 sorgen dagegen dafür, dass die Kinder wesentlich häufiger beteiligt sind. Sie bewegen sich mehr, müssen häufiger Entscheidungen treffen und kommen öfter mit dem Ball in Kontakt.

Das fordert die Kinder mehr und bietet ihnen gleichzeitig mehr Möglichkeiten, sich fußballerisch weiterzuentwickeln.

Auch das Aufwärmen sehe ich heute anders

Ein ganz konkretes Beispiel dafür, was ich aus dem Kurs in mein eigenes Training übernommen habe, ist das Aufwärmen.

Früher kannte ich es vor allem so: Lauf-ABC, Dehnen und anschließend geht es mit dem eigentlichen Training los.

Heute versuche ich, das Aufwärmen anders zu gestalten.

Statt die Kinder einfach laufen zu lassen, nutze ich lustige und abwechslungsreiche Spiele mit dem Ball. Die Kinder bewegen sich, reagieren, dribbeln und haben dabei Spaß.
Im besten Fall merken sie dabei gar nicht, dass sie sich gerade aufwärmen.

Und genau das ist für mich ein wichtiger Punkt im Kinderfußball: Die Kinder sollen Fußball spielen wollen – nicht das Gefühl haben, ein Pflichtprogramm absolvieren zu müssen.

Mein Bild vom Trainersein hat sich verändert

Ich bin mit der Vorstellung in den Kurs gegangen, dass ein Trainer vor allem organisiert und dafür sorgt, dass das Training und der Spieltag funktionieren.
Heute sehe ich die Aufgabe wesentlich umfassender.
Ein Kindertrainer ist Ansprechpartner, Organisator, Vermittler, Vorbild und Verantwortlicher. Er arbeitet nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit deren Eltern. Er muss Trainingseinheiten altersgerecht gestalten und gleichzeitig dafür sorgen, dass jedes Kind möglichst viel beteiligt ist und Freude am Fußball hat.

Mein Fazit

Für mich hat sich das Kindertrainerzertifikat auf jeden Fall gelohnt.
Ich habe die Arbeit mit Kindern besser kennengelernt und viele Dinge gelernt, die ich vorher so nicht gesehen hatte. Vor allem hat sich mein Verständnis dafür verändert, was es bedeutet, eine Kinderfußballmannschaft zu trainieren.

Ich würde das Zertifikat deshalb auch anderen empfehlen – gerade Vätern oder Müttern, deren Kind neu mit Fußball beginnt und die überlegen, selbst eine Mannschaft zu trainieren.
Denn eines sollte man dabei nicht vergessen:

Man trainiert nicht nur sein eigenes Kind. Man trainiert eine ganze Mannschaft.
Und diese Mannschaft besteht aus vielen unterschiedlichen Kindern mit unterschiedlichen Charakteren, Fähigkeiten und Bedürfnissen.
Genau deshalb reicht es nicht aus zu sagen: „Ich kenne Fußball, also kann ich auch Kinder trainieren.“

Das Kindertrainerzertifikat hat mir gezeigt, dass guter Kinderfußball viel mehr bedeutet: Kinder begeistern, sie fördern, ihnen möglichst viele Ballkontakte ermöglichen, ihnen Sicherheit geben, mit Eltern zusammenarbeiten – und vor allem dafür sorgen, dass sie gerne zum Fußball kommen.

Ich bin mit einer sehr einfachen Vorstellung vom Trainersein in den Kurs gegangen. Herausgegangen bin ich mit einem völlig anderen Verständnis davon, was ein Kindertrainer eigentlich leistet.

Und genau deshalb hat sich der Kurs für mich gelohnt.

Yannick Riedl