Sollner Geschenke und zu wenige eigene Tore – Gräfelfing gewinnt auch Rückspiel

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Im Spiel beim SV München West am vergangenen Sonntag hatten die Sollner einen Befreiungsschlag verpasst, was gegen einen Tabellenzweiten durchaus passieren kann. Manch einer rieb sich allerdings die Augen angesichts der Tatsache, dass West eine Woche später beim FC Teutonia nicht über ein 3:3-Unentschieden hinauskam. Teutonia stand nun nur noch dank der schlechteren Tordifferenz hinter Solln. Die anderen, früher angesetzten Spiele im „Unterhaus“ verliefen eher im Sinne der Sollner. Für die galt es, dem TSV Gräfelfing zu Hause Paroli zu bieten; vorrangig um sich von den bedrohten Plätzen abzusetzen, aber auch um die Scharte aus dem Hinspiel (2:3) auszuwetzen.

Für Trainer Hans Kleemann und seine Truppe hatte es im Vorfeld eine Hiobsbotschaft gegeben: Routinier Tristan Römpp fällt bis auf Weiteres wegen massiver Rückenprobleme aus. Positiv dagegen: der neue Abwehrmann Michael Schmid aus der Oberpfalz hat sich kurzfristig für Solln entschieden und hat im Training trotz fehlender Spielpraxis überzeugt. Er durfte gleich von Beginn an ran (herzlich willkommen, Michael!). Johannes Campe war wieder fit, so dass Kapitän Basti Jell zunächst die gewohnte Rolle des Innenverteidigers aufgeben und weiter vorne agieren konnte. Auf dem Papier hatte der Sollner Coach eine ansehnliche Anzahl an Ersatzspielern gemeldet (darunter auch erstmals Kenan Kurt aus der zweiten Mannschaft), doch die meisten waren angeschlagen und kamen gar nicht zum Einsatz.

Die für Solln so wichtige Partie ging allerdings nicht nach Wunsch los. Es waren noch keine 5 Minuten gespielt, als der sonst so ballsichere Johannes Campe das Spielgerät verfehlte und auch keine Unterstützung von seinen Abwehrkollegen erhielt, was Brehm gnadenlos zum 0:1-Führungstreffer für Gräfelfing ausnutzte (4.). Und gerade mal nach weiteren 4 Minuten wackelte die heimische Hintermannschaft erneut, und Münch verlieh der Kugel die richtige Richtung zum 0:2 (8.). Der Sollner Keeper Maximilian Hassinger war jeweils chancenlos.

Die Platzherren hatten freilich noch alle Zeit der Welt, um ihrerseits etwas gegen den Rückstand zu tun. Es sah tatsächlich danach aus, als ob sie sich stabilisiert hätten. Allein Gästekeeper Titze verhinderte per Fußabwehr einen Torerfolg von Simon Metzger nach tollem Zuspiel von Innenverteidiger Luca Bausch (11.). Etwas später schoss Metzger über den Kasten (15.). Selbst der neue Rechtsverteidiger Michael Schmid versuchte sich mit einem Weitschuss, aber Titze hatte auch hierbei keine Mühe (18.). Einer wunderschönen Aktion (Simon Metzger diagonal, Sammy Schewe quer) machte Mitrov ein Ende, bevor ein weiterer Sollner den Ball hätte versenken können (20./Eckball bringt nichts ein).

Kurz darauf kam Solln erneut aussichtsreich vor das Tor; der an sich gute Torwart Titze verfehlte den Ball, bekam aber Hilfe von einem Feldspieler in letzter Sekunde (21.). Wenig später holte der starke Niek Khazali die Kugel von Wagner zurück und bediente Basti Jell, aber der konnte den Gästekeeper nicht überwinden (22.). Nebenbei bemerkt konnten sich die Sollner hinten nicht auf die Einhaltung der Abseitsregel verlassen, denn mehr als einmal blieb der Pfiff des Unparteiischen aus, so dass Maximilian Hassinger mehr als notwendig auf der Hut sein musste (Einloft/12.+19.; Edelmann/22.). Auch in der 29. Minute parierte Hassinger per Fuß gegen Einloft – dieses Mal in einer regulären Situation.

Auf der anderen Seite vermasselte Schlussmann Titze dem Gespann Simon Metzger/Niek Khazali zwei Mal die Tour. Im ersten Fall hatte Metzger gerade den Ball zurückgeholt und schoss weit, aber Titze war vor Khazali dran (29.), dann legte Metzger abermals einen gerade eroberten Ball quer, aber Titze hielt gegen Khazali (30.). Nicht lange danach stand Simon Metzger wieder mit einer tollen Aktion im Fokus, aber der Gräfelfinger Torwart wehrte ab und ein Feldspieler klärte endgültig ins Seitenaus (32.). Wegen eines Handspiels der Auswärtself ergab sich für Sammy Schewe eine Freistoßchance, doch Thiessen war mit dem Kopf zur Stelle. Seref Sözer sicherte sich den zweiten Ball und Sammy Schewe passte quer, aber Mitrov schritt ein (32.). Daraufhin biss sich Basti Jell an Brehm, Thiessen und dem Keeper die Zähne aus (33.).

Leider war dann der Auftritt von Michael Schmid wegen einer Wadenverletzung schon beendet; André Metzger kam früher als geplant von der Bank (34.). Gleichzeitig trat wieder die gewohnte Abwehrformation in Kraft: Bausch/Jell = Innenverteidigung, A. Metzger/A. Hassinger Außenverteidigung, während Johannes Campe ins Mittelfeld rückte. Kurz nach dem Wechsel war Mitrov bei einem Einwurf von Alex Hassinger vor Benni Minov am Ball und bediente Pärssinen, der wiederum in Maximilian Hassinger im Sollner Tor seinen Meister fand (35.). So hieß es weiterhin 0:2 aus Sicht der Gastgeber. Nicht lange danach wurde Niek Khazali sozusagen zum Opfer eines falschen Abseitspfiffs. Der schnelle Sollner kam tatsächlich von hinten und wollte einen langen Ball erlaufen, und die schöne Gelegenheit war futsch (36.).

Seine glänzende Form bewies Maximilian Hassinger wenig später, indem er gegen Pleyer erst per Fuß abwehrte und anschließend hielt (37.). Auch Matovic hatte gegen den Mann im Sollner Kasten das Nachsehen (38.). Einen Einwurf von Brehm konnte Bruder Alex Hassinger noch per Kopf abwehren, dann setzte sich Münch gegen vier zu passive Sollner durch und erhöhte auf 0:3 (39.), was natürlich die Aussichten der Gastgeber auf einen Punktgewinn erheblich schmälerte. Aber es dauerte gar nicht so lange, bis die Sollner bewiesen, dass sie doch noch da waren. Ein Eckball von Benni Minov von rechts zu Johannes Campe wurde ins Toraus abgewehrt. Den Eckball von links trat hingegen Sammy Schewe, wodurch Benni Minov frei war und per wunderschönem Kopfball auf 1:3 verkürzen konnte (41.). Den Freistoß von Brehm wegen eines Offensivfouls von Basti Jell konnte der andere IV Luca Bausch per Kopf entschärfen, so dass seine Sollner wieder in Ballbesitz kamen (43.). Eine tolle Kombi von Niek Khazali über Simon Metzger zu Seref Sözer landete wegen eines Stolperers von Letzterem im Toraus, war aber trotzdem herrlich anzusehen. So war das Gefühl des Sollner Lagers trotz des immer noch deutlichen Rückstands zur Pause nicht ganz schlecht, denn die Jungs schienen durchaus noch etwas im Köcher zu haben.

Zum Seitenwechsel beließ Trainer Kleemann sein etwas stabilisiertes Team vorerst unverändert. Nach einem ersten Sollner Ballgewinn nach Wiederanpfiff (Bausch, Minov, Khazali, Schewe, Sözer) bereitete freilich die Gästeabwehr der aufkommenden Freude ein Ende. Und schon war Solln wieder im Verteidigungsmodus, aber die altbewährte Viererkette hielt. Einen Riesendusel hatten die Platzherren allerdings in der 49. Minute, als Pleyer einen Freistoß von rechts am linken Pfosten vorbei setzte. Verdienste erwarb sich der Sollner Kapitän Basti Jell, als er kurz vor der Torlinie gegen Pärssinen klärte (51.). Dass anschließend Keeper Hassinger Pärssinens Kopfball hielt, diente sichtlich als Mutmacher für seine Vorderleute (52.).

Denn sogleich bauten die Sollner ausgehend von Sammy Schewe einen schönen Angriff über Johannes Campe und Seref Sözer wieder zu Sammy Schewe auf, der Keeper Titze zu einer Parade zwang (52.). Dann konnten die Gäste fürs Erste die Spielrichtung drehen, aber nicht für lange. Ein Foul an Alex Hassinger verschaffte den Platzherren einen Freistoß (Benni Minov), der nichts einbrachte (53.). Einen weiteren Freistoß von Benni Minov verlängerte Sammy Schewe sofort danach ins Toraus. Die Zahl der Freistöße sprach für die zunehmende Gefährlichkeit der Sollner, die zuweilen nur per Foul zu stoppen waren. Luca Bausch verlängerte einen Freistoß von Sammy Schewe von halblinks per Kopf, aber der Ball ging über das Gehäuse (55.).

Nach einer knappen Stunde Spielzeit nahm Coach Kleemann einen Doppelwechsel vor. Die beiden „Schwerarbeiter“ Niek Khazali und Simon Metzger gingen raus und machten Platz für Lejs Dedic und Tobi Steger. Besonders über Letzteren freute sich der Anhang, denn es ist erstaunlich, dass der erfahrene Stürmer trotz immer wiederkehrender Verletzungen nicht aufgibt. In den vergangenen Wochen hatte er sich bei der dritten Mannschaft fit gehalten, und nun sollte es für eine gute halbe Stunde Einsatz bei der Ersten reichen (58.). Auf seinen „großen Auftritt“ musste Steger noch eine ganze Weile warten, denn fürs Erste übernahmen die Gäste das Heft. Der eingewechselte Heilmann traf nach Balleroberung der Gräfelfinger nur ins Toraus (59.), und etwas später ging der Ball nach einer etwas missratenen Abwehr („Kerze“) zum Glück ebenfalls ins Toraus (60./Gräfelfinger Ecke von Campe und Minov abgewehrt). Nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung sah Heilmann wegen eines Fouls an Alex Hassinger Gelb; der Sollner Abwehrmann konnte zunächst weiterspielen (62.). Eine Minute danach nahm Lejs Dedic einen Diagonalpass von Basti Jell per Kopf an, doch die Gästeabwehr drehte (63.).

Ein dritter Treffer gelang Münch zum Glück nicht, denn er verfehlte Pleyers Eckball (65.). Zwei Minuten später setzte sich Matovic unfair gegen Lejs Dedic ein. Eine Karte gab es nicht, nur Freistoß. Der Ball ging weit über das Gehäuse; da hat man in der Vergangenheit schon bessere von André Metzger gesehen (67.). Nicht ganz so schlecht geriet der Freistoß von Seref Sözer vor dem Strafraum nach Foul an Sammy Schewe, aber auch dieser Ball verfehlte sein Ziel (69.). Ein Aufbäumen der Gäste war nur von kurzer Dauer (Maximilian Hassinger gegen Thiessen/70.), dann war Solln wieder am Drücker. Der für Kapitän Edelmann eingewechselte Schullerus klärte gegen Sammy Schewe ins Toraus (72.), worauf Keeper Titze Sammy Schewes Eckball mit einer Hand abwehrte. Der Sollner Ballbesitz über mehrere Stationen brachte nichts ein; zuletzt blieb Johannes Campes Schuss aus kurzer Distanz bei Titze hängen (73.).

In der 74. Minute kam Luis Stephan aufs Feld, der zuletzt am Vorbereitungsspiel beim FC Dreistern mitgewirkt hatte; er löste Seref Sözer ab (74.). Es vergingen ungefähr 8 Minuten ohne entscheidende Ereignisse, bis die Gastgeber endlich vor das gegnerische Tor kamen. Die beiden „Edeljoker“ – Luis Stephan in der Vorbereitung unter Mitwirkung des Gegners und Tobi Steger im Abschluss – machten ihr Ding und verkürzten auf 2:3 (82.). Die Hoffnung der Sollner auf den Ausgleich erfüllte sich jedoch nicht. Die Auswechslung des angeschlagenen Alex Hassinger (87./Simon Metzger rückeingewechselt) riss offensichtlich ein Loch in die Sollner Abwehr. Kapitän Basti Jell – nach dem intensiven Spiel vermutlich am Anschlag – verlor das Spielgerät gegen den noch frischen Hofer, der erst vor 23 Minuten für Einloft gekommen war. Hofer machte mit seinem Torschuss zum 2:4 zwar alles klar, verletzte sich aber augenscheinlich bei der Aktion und musste runter (Pärssinen kam wieder/88.).

Die bekannten „Baustellen“ der Sollner – mangelnde Chancenverwertung und zu viele Ballverluste im Spielaufbau – haben einmal mehr zu einer unnötigen Niederlage geführt. Der TSV Gräfelfing als DER Gewinner des Spieltags ist nun – nicht nur – an Solln vorbeigezogen und steht jetzt auf Platz 9, während Solln jetzt auf Relegationsplatz 11 steht, den es schnellstens wieder zu verlassen gilt. Gleich am kommenden Sonntag findet ein weiteres 6-Punkte-Spiel auswärts beim FC Teutonia statt, gegen den es zwar im Hinspiel ein Sollner Schützenfest (7:3) gegeben hatte, der aber unlängst durch das Unentschieden gegen den SV München West von sich reden gemacht hat.

15.03.26: Kreisliga Mch. 2 – 17. Spieltag – TSV Solln – TSV Gräfelfing 2:4 (1:3)

TSV Solln: Maximilian Hassinger, Schmid (34. André Metzger), Alex Hassinger (87. Simon Metzger), Bausch, Jell, Minov, Sözer (74. Stephan), Khazali (58. Lejs Dedic), Simon Metzger (58. Steger), Schewe, Campe – außerdem im Kader: Kornmesser, Kugler, Kurt, Saifi, Schrank

Tore: 1:3 Minov (41./Kopfball nach Ecke von Schewe), 2:3 Steger (82./Assist: Stephan)

Gelbe Karten: Fehlanzeige

Eva Ankenbauer